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Erneuert
2017-11-21
18:16:51

Geschichte der Bibliothek

Der Stolz der Universität ist ihre wissenschaftliche Bibliothek, eine der ältesten und wertvollsten Bibliotheken der Ukraine. Ein besonderer Weg, den die Bibliothek über anderthalb Jahrhunderte von der Landesbibliothek der Bukowina bis zur wissenschaftlichen Bibliothek der Nationalen Universität Tschernivtsi zurücklegte, drückte der Spezifik und der Eigenartigkeit der Fonds deutlich seinen Stempel auf.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts war die Bukowina ein gesondertes Kronland –l das Herzogtum Bukowina. Damals gab es im Kronland viele Beamte, ausgebildete und intelligente Persönlichkeiten, die zu Gunsten des Landes nach Veränderungen strebten. Besonders ging es ihnen um Fragen, die die Verminderung der Schärfe der sozialpolitischen und wirtschaftlichen Probleme betrafen. Einer der traditionellen Wege, die als Lösung eben dieser Probleme gesehen wurden, war Bildung und Erziehung, bei der auch die Bibliothek ihren entsprechenden Platz einnahm. Der Landespräsident der Bukowina Adalbert von Henniger (1849-1853) legte seine besondere Aufmerksamkeit auf die Bildung im Lande und leistete bei der Gründung der Bukowiner Landesbibliothek Unterstützung.

Die Entstehung und Tätigkeit der Landesbibliothek war eng mit den Prozessen verbunden, die sich in der österreichischen Monarchie im Zeitabschnitt nach der Revolution abspielten.

Die Bibliothek wurde von einer hervorragenden Kohorte bedeutender Persönlichkeiten des öffentlichen und kulturellen Lebens der Bukowina gegründet. Die Idee der Gründung einer öffentlichen Landesbibliothek lässt sich auf den Gutsbesitzer des Dorfes Wikno, Michai Sotta, zurückführen. Im Herbst 1850 initiierte dieser eine Versammlung von Gleichgesinnten, die die Bereitschaft äußerten, einen Betrag in Höhe von 1000 Florinen für die Gründung zu sammeln. Karol von Mikuli, der berühmte Pianist, Schüler von Frederic Chopin und zukünftiger Direktor des Konservatoriums in Lviv übergab für dieses Vorhaben den ganzen Erlös (1030 Florinen) von seinen Winterkonzerten 1850–1851. Die Gleichgesinnten versammelten sich am 26. März 1851 beim Landespräsidenten Adalbert von Henniger, der dieser Idee zustimmte und sie auch unterstützte.

Am 20. April 1851 fand eine Versammlung der verantwortlichen Initiativgruppe bezüglich der Gründung der Landesbibliothek statt, auf der man den Beschluss fasste, die “Gesellschaft der Landesbibliothek“ zu gründen, welcher auch vom Ministerium für Kultus und Unterricht Österreich am 18. Mai 1851 bestätigt wurde. Es war beabsichtigt, dass die Bibliothek zu einem Kulturzentrum für breite Schichten der Bevölkerung kostenlos und zugänglich gemacht wird. Die Eröffnung der Bibliothek wurde für den 23. Januar 1852 vorgesehen, aber wegen der Probleme mit dem Raum fand sie erst am 29. September 1852 statt.

Die Zeit von 1852 bis 1875 war die erste Organisationsperiode des Bestehens der Bibliothek. Am 4. Oktober 1875 wurde die öffentliche Landesbibliothek der Bukowina zur Universitätsbibliothek. Das ganze Vermögen der öffentlichen Landesbibliothek wurde der Universität übergeben. Laut Inventarverzeichnis zählte der vollständige Bücherbestand 15 544 Exemplare.

Anlässlich der Eröffnung der Universität in der Bukowina langten zahlreiche Glückwünsche und Büchergeschenke an deren Adresse ein. Die Regierung bestimmte eine Summe für den Erwerb der notwendigen Literatur für den Lehrprozess der Studierenden. Auf diese Kosten wurden einige Privatbibliotheken in München, Linz, Prag, Wien und in den anderen Städten gekauft. Ende 1875 zählte der Bücherbestand der Universitätsbibliothek über 31 Tausend Bände.

„Nun blühe, jüngster Musensitz,
Francisco – Josephina!
Frau Muse lehrt in Czernowitz
Und schirmt die Bukowina!“

Mit diesen feurigen Worten gratulierte der berühmte österreichische Dichter Victor von Scheffel (1826-1886) den Bukowinern zu diesem bedeutsamen Ereignis in seiner, 1875 an die Universität verschickten Gedichtsammlung “Gaudeamus“.

Die Geschichte der wissenschaftlichen Bibliothek der Nationalen Jurij Fedkowytsch-Universität Tschernivtsi ist eng mit dem Namen Kaisers Franz Josephs I. von Österreich-Ungarn verbunden, während dessen Regierungszeit das alte Tschernivtsi ausgebaut wurde. Eine der Sammlungen der Universitätsbibliothek Tschernivtsi ist die Bibliothek der Habsburger, ein Teil der Büchersammlung des Kaiserhaus Habsburgs. Die Monarchenfamilie war im Besitz einer stattlichen Privatbibliothek, die laut Testament nur über die männliche Erblinie weitergegeben wurde. Diese Sammlung verfügte über einige Dubletten seltener Ausgaben, weshalb diese Bücher verschiedenen Bibliotheken übergeben wurden. Die Dubletten wurden an die öffentlichen Bibliotheken der österreich-ungarischen Monarchie verschenkt, zu der auch die Bukowina gehörte.

Wie die Jubiläumsausgaben der Universitätsgeschichte bezeugen, erhielt auch die Universitätsbibliothek Tschernivtsi im Jahre 1878 eine solch großherzige Gabe von Seiner Majestät Kaiser Franz Joseph. Darunter fanden sich zahlreiche Dubletten aus der Bibliothek von Kaiser Ferdinand I. sowie Bücher, die aus der Bibliothek der Kaiserfamilie ausgewählt wurden. Dank diesem Geschenk wurde die Bibliothek um 1056 Bände bereichert, unter denen sich einige Unikate, prachtvoll ausgestattete Ausgaben sowie solche mit Gravierungen befanden.

Die Universitätsbibliothek in Prag schenkte ebenfalls 773 Dubletten-Exemplare aus der Privatsammlung von Kaiser Ferdinand I., der seine letzten Jahre in Prag verbrachte (nach seiner Abdankung 1848 zu Gunsten seines Neffen Franz Joseph). Nach dem Tod von Ferdinand I. wurden die Dubletten aus seiner Sammlung der Bibliothek der Universität Prag übergeben. Wir erhielten sie 1877 laut dem Beschluss des Ministeriums für Kultus und Unterricht Österreich-Ungarn vom 7. Januar 1876 zwecks der Komplettierung des Bücherbestandes der Bibliothek der neu gegründeten Universität.

Die zu dieser Sammlung gehörenden Ausgaben (Bücher, Zeitungen und Zeitschriften) sind sehr gut erhalten. Die Buchumschläge sind aus Leder, Samt, aus der Seidenart Moir sowie aus Papier ausgezeichneter Qualität. Die Verzierungen und Bücherschnitte sind aus Blattgold gefertigt. Die Bücher sind in verschiedenen Sprachen, hauptsächlich auf Deutsch und Französisch, aber auch auf Englisch, Italienisch, Ungarisch, Tschechisch, Lateinisch u. a. gedruckt.

Zur Sammlung Habsburg gehören sowohl die Bücher mit den Anschriften, “Geschenk Seiner Majestät des Kaisers Franz Joseph I. 1878“, “Aus dem Nachlasse Seiner Majestät des Kaisers Ferdinand I. 1877“ als auch die Bücher ohne Anschriften, die aber persönlich von Ferdinand I. gestempelt wurden. In dieser Sammlung befinden sich auch zwei gleiche Porträts, Buntabbildungen des Kaisers Franz Joseph in Marschalluniform. Auf der Rückseite des Gemäldes findet man Angaben zum Herausgeber: „Kunst-Verlag von Ed. Hölzel in Wien. Kärnthnerring, Nr.12“. Auf einem der Gemälde steht die Nummer 104 und die Anschrift mit einem Ratschlag zu dessen Aufbewahrung. Die Bilderrahmen sind nicht mehr vorhanden, die Blendrahmen sind nach der für diese Waren verwendeten im 19. Jh. besonderen Technologie herausgestellt.

Die Bibliothek ist im Jahre 1852 als Landesbibliothek der Bukowina gegründet worden. In den Jahren 1875-1918 war sie die Bibliothek der österreichischen Franz Joseph-Universität, 1918-1940 Bibliothek der Rumänischen Carol II.-Universität,1940-2000 Bibliothek der Staatsuniversität Tschernivtsi und ab 2000 die wissenschaftliche Bibliothek der Nationalen Jurij Fedkowytsch-Universität.

Ab dem Stichtag 1. Januar 2011 zählt der Bücherbestand der Bibliothek 2 647 835 Exemplare. Von diesen sind: 300 181 auf Ukrainisch, 1 918 690 auf Russisch, 428 964 fremdsprachlich, 1,2 Mio. wissenschaftlicher Literatur, 210 000 Lehrbücher, 97 000 Belletristik, 636 000 Zeitschriften, 1,3 000 Zeitungen (Komplette) u. a. Über 70000 Dokumente werden in der Abteilung für seltene Bücher und Handschriften aufbewahrt. Darunter Handschriften, ukrainische und ausländische altertümliche Bücher, die landeskundliche Sammlung “Bukowinensia“, Privatsammlungen berühmter Personen u.a.

Jährlich werden von allen Abteilungen über 36 000 Leser bedient, über 600000 Exemplare verschiedener Dokumente ausgeliehen, über 35000 bibliographische Auskünfte erteilt. Die Besucherzahl beläuft sich auf 285000 Leser.

In der Bibliothek gibt es insgesamt fünf Abonnentenabteilungen und sieben Lesehallen mit insgesamt 500 Arbeitsplätzen.

Die Bibliothek ist in elf Unterabteilungen gegliedert: die wissenschaftlich- methodische Abteilung, die Komplettierungsabteilung, die Abteilung für wissenschaftliche Bearbeitung der Dokumente und Erstellung von Katalogen, die Abteilung der Fondslagerung, die informations-bibliographische Abteilung, die Abteilung für seltene Bücher und Handschriften, die Abteilung der wissenschaftlichen Literatur, die Abteilung der Lehrliteratur, die Abteilung der naturwissenschaftlichen Literatur, die Abteilung für Informationstechnologien und EDV, die Abteilung der Kultur- und Aufklärungsarbeit.

Im Jahre 2004 wurde ein lokales Rechennetz im Betriebssystem Windows eingerichtet. Ab Februar 2003 wurde ein elektronischer Katalog der Bibliothek eingeführt, der aus 8 Datenbänken besteht und über 383000 Einträge enthält. Die Bibliothek hat Zugang zum Internet.

Die Bibliothek ist Mitglied der Assoziation “Informatio-Consortium“ (für Benutzer von elektronischen Informationsressourcen). Um den Lesern den Zugang zu Informationsressourcen auf Weltniveau zu erweitern, nimmt die Bibliothek seit 2002 an den Projekten “EDV für Bibliotheken – Zugang zur Datenbank EBSCO-Publishing“, “INTAS – elektronische wissenschaftliche Informationen für Bibliotheken und Wissenschaftsorganisationen“ teil.

Ab 2009 beteiligt sich die Bibliothek am Projekt “Digitale Bibliothek der Ukraine: Gründung von Wissenszentren an den Universitäten der Ukraine“. Das Ziel des Projektes ist die Integration der ukrainischen akademischen Gemeinschaft in die Weltwissenschaft, also die Überwindung der Isolation von der wissenschaftlichen Weltgemeinschaft. Die Projektteilnehmer sind die Kyjiwo-Mohyljanska Akademie, die Kyjiwo-Mohyljanska-Stiftung der USA, die Allukrainische Assoziation “Informatio-Consortium“, die nationale V. Karazin-Universität Kharkiv, die Nationale Jurij Fedkowytsch-Universität Tschernivtsi und Nord Western University (USA). Die Bibliothek wurde auch zum Mitglied des Internationalen Projektes “Czernowitzer Presse“, das die Digitalisierung der bukowinischen Periodika der Zwischenkriegszeit (1918-1940) vorsieht.

Dank der Unterstützung der Öffentlichen Liga Ukraine – NATO, des Zentrums der Information und Dokumentation NATO, des Programms MATRA (Niederland), der Botschaft der USA in der Ukraine, der Botschaft der Slowakischen Republik in der Ukraine, der Botschaft von Polen in der Ukraine und der Allukrainischen öffentlichen Organisation “Demokratische Wirkung“ besteht in der Bibliothek weiterhin das Informationszentrum der Europäischen Union “Ukraine – NATO“. Im Rahmen des Projektes “Offene Bibliothek“, unterstützt von der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in der Ukraine und der Robert Bosch-Stiftung, fanden im Laufe der Jahre 2003-2005 in den Museen und verschiedenen Bibliotheken der Stadt Tschernivtsi Präsentationen wertvoller und seltener Ausgaben der wissenschaftlichen Universitätsbibliothek statt.

Laut Beschluss des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft der Ukraine vom 21.08.2008 Nr. 758 “Über die Eintragung von Änderungen in der Zusammensetzung der wissenschaftlich-methodischen Bibliothekskommission“ sind der wissenschaftlichen Bibliothek der Nationalen Jurij Fedkowytsch-Universität die Erfüllung der Aufgaben des methodischen Gebietszentrums anvertraut. Nach dem Bezirksmerkmal gehört die Vereinigung zum Gebiet Lviv. Die methodische Gebietsvereinigung der Hochschulen in Tschernivtsi wurde zur Vervollkommnung der methodischen Leitung von Bibliotheken an den Hochschuleinrichtungen des III.-IV. Akkreditierungsgrades gegründet.

Am 15. Oktober 2011 startete das Projekt „Towards Trust in Quality Assurance Systems“ - „Nationales System der Qualitätssicherung und des beiderseitigen Vertrauens im Hochschulsystem“ im Rahmen der nationalen Priorität „Sicherung der Bildungsqualität“, unterstützt vom Hochschulkooperationsprogramm der Europäischen Union TEMPUS. Die Vertreter der Universität Tschernivtsi sind das wissenschaftlich-methodische Monitoringzentrum für die Qualitätssicherung und Vorbereitung von Fachleuten und die wissenschaftliche Bibliothek, die gleichzeitig auch Mitglied der Assoziation “Informatio-Consortium“ ist.

Heute unterstützt die Bibliothek den internationalen Bücheraustausch mit Russland (Moskau – Institut der wissenschaftlichen Information der Sozialwissenschaften an der Russischen Akademie der Wissenschaften, Russische Staatsbibliothek, Russische Nationalbibliothek Sankt Petersburg), Belarus (die Bibliothek der Belarussischen Staatsuniversität, Minsk), mit Moldawien (die Universitätsbibliothek Kyschyniv). Es gibt auch einen Bücheraustausch mit den Hochschulbibliotheken und Nationalbibliotheken der Ukraine.

Bibliotheksleitung

  • 1861 - 1875 – Evsebij Popowycz
  • 1875 - 1903 – Karl Reifenkugel
  • 1903 - 1912 – Johann Polek
  • 1912 - 1913 – Theodor Grienberger
  • 1913 - 1919 – Friedrich Baumhakl
  • 1919 - 1923 – Nektarij Kotljarczuk
  • 1923 - 1930 – Kostjantyn Mandyczewski
  • 1930 - 1940 – Eugen Peunel
  • 1940 - 1941 – E.M. Panczuk, N.J. Saltykowa
  • 1941 - 1944 – Theodor Balan
  • 1945 - 1949 – N.J. Saltykowa, O.M. Iljina, M.P. Perlyna
  • 1949 - 1952 – W.R. Zahumennyj
  • 1952 - 1955 – M.T. Plachtij
  • 1955 - 1956 – A.D. Zwerew
  • 1956 - 1964 – M.W. Nikolajew
  • 1964 - 1985 – M.I. Dereworiz
  • 1985 - 2002 – A.J. Woloszczuk
  • 2002 - 2004 – I.W. Zhaloba
  • 2005 - 2009 – O.I. Schyljuk
  • seit 2009 – M.B. Zuschman
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